Aktuelles

Euroscola 2021 : The EU Charter of Fundamental Rights

Wie könnte man als Jugendliche*r am besten mehr über europäische Integration erfahren? Natürlich, indem man sie selbst erlebt. Genau dafür bietet das europäische Parlament seit 1990 das Euroscola-Programm an. Bei diesem Projekt haben Schüler*innen aus allen EU-Mitgliedsstaaten die einmalige Chance, selbst in die Rolle der Abgeordneten im Straßburger Plenum zu schlüpfen und die Interessen der Jugend zu vertreten. 

Doch da dieses Jahr wegen Corona alles anders ist, musste sich auch Euroscola verändern. So blieb der große Plenarsaal dieses Jahr nahezu menschenleer, während sich am 21. Februar über sechshundert Jugendliche aus allen 27 EU-Ländern zuhause oder in ihren Klassenzimmern vor den Computern versammelten, um so am Euroscola-Projekt teilzunehmen wie in der heutigen Zeit fast alles stattfinden muss – online. 

Das große Diskussionsthema des Tages war: „EU Charter of Fundamental Rightswhat is our role in democratic life?“ Denn ja, es gibt nicht nur für Deutschland Grundrechte, sondern auch die Europäische Union baut auf Grundrechten wie Würde, Freiheit, Gleichheit und Solidarität auf.  

Nach einer Begrüßung durch zwei Moderator*innen des Fernsehsenders Arte, die in einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Französisch durch den Vormittag führten, schickte der Präsident des Parlamentes, Herr Sassoli, einen persönlichen Willkommensgruß an uns Teilnehmende per Videobotschaft.  

Im Anschluss daran gab es ein Q&A mit der ersten – insgesamt gibt es vierzehn – Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Frau Metsola, die sich in Straßburg unseren Fragen stellte. Frau Metsola entpuppte sich als sehr inspirierende, beeindruckende und engagierte Abgeordnete, die jede von uns gestellte Frage ausführlich beantwortete, ob nun zu ihren Aufgaben im Parlament, ihrem persönlichen Lebenslauf oder zum Tagesthema. Sie wies auch immer wieder darauf hin, wie wichtig es sei, dass die Jugend sich in die Politik einbringe, und zeigte Möglichkeiten auf, wie dies gelingen kann.  

Nach einer überaus interessanten Stunde mit der Vizepräsidentin wurde man aufgefordert, Ideen und Vorschläge vorzubringen, wie man die Grundrechte in Europa stärken könnte und wo es noch Ansätze zur Verbesserung gibt. Dazu schalteten sich zwei Experten aus der juristischen Abteilung des Parlaments zu und beratschlagten über die von uns entsprechend ihrer Dringlichkeit priorisierten Forderungen. Am Ende durften alle Schüler*innen demokratisch abstimmen, welches der angesprochenen Themen für sie den wichtigsten Punkt der Weiterentwicklung und Einhaltung der Grundrechte darstelle. Die Wahl gewann mit deutlichem Vorsprung der Umweltschutz, für den über die Hälfte aller Teilnehmenden gevotet hatten. 

Fazit: Das Euroscola-Event war definitiv eine einmalige Gelegenheit, mit der Politik Europas und vor allem auch mit den Politikern des EU-Parlaments direkt in Berührung zu kommen. Es war, anders als vorher vielleicht erwartet, überraschend interessant und vor allem hat es die Möglichkeit geboten, die politische Distanz zu überwinden und einmal ein Gefühl dafür zu bekommen, was es heißt, auf europäischer Ebene mitreden zu können und auch gehört zu werden. Die Vizepräsidentin versicherte uns nämlich, dass sie unsere Anliegen zur Kenntnis genommen hätte und diese auch an ihre Kolleg*innen im Parlament weiterleiten würde. Der Umweltschutz und Klimawandel kristallisierten sich wieder einmal als wichtige Themen heraus, doch auch die Frage der Politiker*innen an uns, ob ein Internetzugang für alle Menschen, gerade in der heutigen Situation, zu einem Grundrecht gemacht werden sollte, erwies sich als interessant und debattierwürdig.  

Anna-Lena Maletskidis, 10F 
(für die teilnehmenden Schüler*innen der Klassen 10G, 10F, und des Wahlkurses Juniorbotschafter*innen